Auf www.e-health.ch ist am Freitag, 7. Januar 2011, dieses spannende Interview erschienen:
Ein Interview mit Prof. Krieger zum Thema Gesundheit als Megatrend
Herr Prof. Krieger, Sie beschäftigen sich mit Veränderungen in unserer Gesellschaft und neuen Formen der Kommunikation insbesondere auch im Gesundheitswesen. Gesundheit gilt als Megatrend. Was bedeutet das?
Gesundheit und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema wird unsere Weltgemeinschaft der nächsten Jahrzehnte stark prägen. Der Gesundheitssektor wird zu einem Kernsektor von Gesellschaft und Ökonomie. Dies hat mit verschiedenen Faktoren zu tun: dem demografischen Wandel, steigender Lebenserwartung, dem Bedürfnis, das Leben aktiv zu gestalten und einer verbesserten medizinischen Versorgung. Menschen denken heute zudem anders und neu über Gesundheit. Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern ein umfassendes Lebensgefühl.
Gesundheit bedeutet Lebensqualität. Ein steigendes Gesundheitsbewusstsein ist erkennbar. Der einzelne fühlt sich verantwortlich für seine Gesundheit.
Welche Auswirkungen hat dieses neue Verständnis von Gesundheit auf unser Gesundheitssystem?
Es zeigt eine Richtung an, in die eine künftige Gesundheitspolitik gehen sollte. Die gegenwärtige Kostenexplosion im Gesundheitswesen lässt sich nicht mit Einsparungen, Beitragserhöhungen und Verboten bremsen. Die Logik des Systems muss hinterfragt und Gesundheit politisch neu gefasst werden. Gesundheit sollte zum politischen Leitgedanken werden, bei dem nicht die medizinische Versorgung im Zentrum steht, sondern Lebenschancen und Lebensweisen. Dies bedeutet eine Demokratisierung des Gesundheitssystems, den Abbau von Hierarchien und die aktive Beteiligung der gesunden und kranken Menschen am Management ihrer Gesundheit und an der Ausgestaltung des Gesundheitswesens. Die Menschen lassen sich zunehmend weniger Diktieren, was Gesundheit für sie bedeutet und wie sie ihre Gesundheit aufrechterhalten. Sie wollen mitreden und sich Gesundheitskompetenzen selber aneignen.
Es zeigt eine Richtung an, in die eine künftige Gesundheitspolitik gehen sollte. Die gegenwärtige Kostenexplosion im Gesundheitswesen lässt sich nicht mit Einsparungen, Beitragserhöhungen und Verboten bremsen. Die Logik des Systems muss hinterfragt und Gesundheit politisch neu gefasst werden. Gesundheit sollte zum politischen Leitgedanken werden, bei dem nicht die medizinische Versorgung im Zentrum steht, sondern Lebenschancen und Lebensweisen. Dies bedeutet eine Demokratisierung des Gesundheitssystems, den Abbau von Hierarchien und die aktive Beteiligung der gesunden und kranken Menschen am Management ihrer Gesundheit und an der Ausgestaltung des Gesundheitswesens. Die Menschen lassen sich zunehmend weniger Diktieren, was Gesundheit für sie bedeutet und wie sie ihre Gesundheit aufrechterhalten. Sie wollen mitreden und sich Gesundheitskompetenzen selber aneignen.
Was verstehen Sie unter dem Begriff Gesundheitskompetenz?
Gesundheitskompetenz – das ist die wohl beste Übersetzung für den englischen Begriff „health literacy“ – bezeichnet die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Zu Hause, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft ganz allgemein. Die Zeit ist definitiv vorbei, in der die Menschen die Verantwortung für ihre Gesundheit den „Göttern in Weiss“, monolithischen Spitälern oder undurchsichtigen Krankenkassen überlassen. Gesundheitskompetenz stärkt die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit des einzelnen in Gesundheitsfragen und verbessert die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und in Handeln umzusetzen. Die Vermittlung von Gesundheitskompetenz wird zunehmend zur Aufgabe des Bildungssystems und darüber hinaus zum Inhalt verschiedener Bemühungen im Kontext des lebenslangen Lernens, von Aus- und Weiterbildungen: vom Migroskurs „Gesundheit & Internet“ bis hin zu Masterstudiengang eHealth.
Gesundheitskompetenz – das ist die wohl beste Übersetzung für den englischen Begriff „health literacy“ – bezeichnet die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Zu Hause, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft ganz allgemein. Die Zeit ist definitiv vorbei, in der die Menschen die Verantwortung für ihre Gesundheit den „Göttern in Weiss“, monolithischen Spitälern oder undurchsichtigen Krankenkassen überlassen. Gesundheitskompetenz stärkt die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit des einzelnen in Gesundheitsfragen und verbessert die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und in Handeln umzusetzen. Die Vermittlung von Gesundheitskompetenz wird zunehmend zur Aufgabe des Bildungssystems und darüber hinaus zum Inhalt verschiedener Bemühungen im Kontext des lebenslangen Lernens, von Aus- und Weiterbildungen: vom Migroskurs „Gesundheit & Internet“ bis hin zu Masterstudiengang eHealth.
Könnte man von einer eigentlichen Gesundheitskultur sprechen?
Ja – Gesundheitskultur ist eine zutreffende Bezeichnung. Der erweiterte Gesundheitsbegriff, der gegenwärtig am Entstehen ist, hat nicht nur Auswirkungen auf das politische System und das Bildungssystem, sondern prägt eine eigentliche und eigene Kultur, eine Gesundheitskultur. Diese eröffnet neue Märkte für neue gesundheitsorientierte Dienstleistungen. Nicht Krankheit steht im Mittelpunkt, sondern Gesundheit wird als Basis für ein glückliches und erfolgreiches Leben in Familie, Beruf und Freizeit betrachtet. Es gibt bereits zahlreiche Beispiele für solche Angebote: von der optimalen Gestaltung des Arbeitsplatzes über fitness- und wellnessorientierte Ferienangebote bis hin zu gesundheitsfördernden Hobbies und individueller Gesundheitsberatung. Dabei stehen Prävention und ein aktives Leben im Vordergrund, nicht das Krank- oder Patientsein.
Immer öfters hört und liest man den Begriff „ePatient“ oder „Patient 2.0“. Was muss man sich darunter vorstellen?
Damit wird eine gesellschaftliche Veränderung vom „klassischen“ passiven Patienten zum empowered, also befähigten, aktiven Patienten beschrieben. Patienten sehen sich zunehmend weniger als passive Empfänger von medizinischen Dienstleistungen, sondern als aktive und selbstbestimmte Partner in allen Aspekten der medizinischen Versorgung. Sie wollen mitbestimmen von der Diagnose über Therapien bis hin zu Genesungsszenarien. Der ePatient benutzt dabei die vielfältigen Möglichkeiten der neuen Medien, des Internets und nicht zuletzt sozialer Netzwerke wie Blogs, Facebook und Twitter, um sich zu informieren, beraten zu lassen, Unterstützung von anderen Patienten zu bekommen und selber Entscheidungen über eine optimale Behandlung zu treffen. Die modernen Kommunikationstechnologien schaffen eine Welt der Verbindungen und Vernetzungen.
Patienten sind nicht nur digital informiert, sondern digital vernetzt. Online Health Communities, auf denen sich Patienten organisieren, austauschen und moralisch unterstützen, wie z.B. PatientsLikeMe.com oder DailyStrenght.org weisen enorme Wachstumszahlen auf.
Das „e“ bei ePatient steht für Kommunikation, Transparenz und Partizipation – grundlegende Forderungen, die festgefahrene Hierarchien und Undurchsichtigkeiten des Gesundheitssystems in Frage stellen und transformieren. Das Gesundheitssystem wird zum Netzwerk gleichberechtigter Partner, die Information und Dienstleistungen miteinander teilen. Das „e“ steht also nicht nur für „elektronisch“, sondern auch für „Empowerment“, d.h. Befähigung, Ermächtigung und Kompetenz. Der ePatient ist Partner und Akteur im Gesundheitsnetzwerk.
Ja – Gesundheitskultur ist eine zutreffende Bezeichnung. Der erweiterte Gesundheitsbegriff, der gegenwärtig am Entstehen ist, hat nicht nur Auswirkungen auf das politische System und das Bildungssystem, sondern prägt eine eigentliche und eigene Kultur, eine Gesundheitskultur. Diese eröffnet neue Märkte für neue gesundheitsorientierte Dienstleistungen. Nicht Krankheit steht im Mittelpunkt, sondern Gesundheit wird als Basis für ein glückliches und erfolgreiches Leben in Familie, Beruf und Freizeit betrachtet. Es gibt bereits zahlreiche Beispiele für solche Angebote: von der optimalen Gestaltung des Arbeitsplatzes über fitness- und wellnessorientierte Ferienangebote bis hin zu gesundheitsfördernden Hobbies und individueller Gesundheitsberatung. Dabei stehen Prävention und ein aktives Leben im Vordergrund, nicht das Krank- oder Patientsein.
Immer öfters hört und liest man den Begriff „ePatient“ oder „Patient 2.0“. Was muss man sich darunter vorstellen?
Damit wird eine gesellschaftliche Veränderung vom „klassischen“ passiven Patienten zum empowered, also befähigten, aktiven Patienten beschrieben. Patienten sehen sich zunehmend weniger als passive Empfänger von medizinischen Dienstleistungen, sondern als aktive und selbstbestimmte Partner in allen Aspekten der medizinischen Versorgung. Sie wollen mitbestimmen von der Diagnose über Therapien bis hin zu Genesungsszenarien. Der ePatient benutzt dabei die vielfältigen Möglichkeiten der neuen Medien, des Internets und nicht zuletzt sozialer Netzwerke wie Blogs, Facebook und Twitter, um sich zu informieren, beraten zu lassen, Unterstützung von anderen Patienten zu bekommen und selber Entscheidungen über eine optimale Behandlung zu treffen. Die modernen Kommunikationstechnologien schaffen eine Welt der Verbindungen und Vernetzungen.
Patienten sind nicht nur digital informiert, sondern digital vernetzt. Online Health Communities, auf denen sich Patienten organisieren, austauschen und moralisch unterstützen, wie z.B. PatientsLikeMe.com oder DailyStrenght.org weisen enorme Wachstumszahlen auf.
Das „e“ bei ePatient steht für Kommunikation, Transparenz und Partizipation – grundlegende Forderungen, die festgefahrene Hierarchien und Undurchsichtigkeiten des Gesundheitssystems in Frage stellen und transformieren. Das Gesundheitssystem wird zum Netzwerk gleichberechtigter Partner, die Information und Dienstleistungen miteinander teilen. Das „e“ steht also nicht nur für „elektronisch“, sondern auch für „Empowerment“, d.h. Befähigung, Ermächtigung und Kompetenz. Der ePatient ist Partner und Akteur im Gesundheitsnetzwerk.
Wo sehen Sie die Chancen für Gesundheitsberufe und Health Professionals?
Es zeichnet sich ein grosser Bedarf an Gesundheitsfachleuten ab, die neue Dienstleistungen für die Gesundheits-Community entwickeln und anbieten. Die Digitalisierung des Gesundheitssystems, die unter dem Begriff „eHealth“ seit ein paar Jahren auch in der Schweiz von statten geht, löst eine Nachfrage nach Fachleuten in den Bereichen Beratung, Begleitung, Projektleitung, Kommunikation, Vermittlung und Vernetzung aus, die das vorhandene Potential der gegenwärtigen fundamentalen Veränderungen im Gesundheitssystem unter Einbezug der neuen Medien nutzen und umsetzen können.
Es zeichnet sich ein grosser Bedarf an Gesundheitsfachleuten ab, die neue Dienstleistungen für die Gesundheits-Community entwickeln und anbieten. Die Digitalisierung des Gesundheitssystems, die unter dem Begriff „eHealth“ seit ein paar Jahren auch in der Schweiz von statten geht, löst eine Nachfrage nach Fachleuten in den Bereichen Beratung, Begleitung, Projektleitung, Kommunikation, Vermittlung und Vernetzung aus, die das vorhandene Potential der gegenwärtigen fundamentalen Veränderungen im Gesundheitssystem unter Einbezug der neuen Medien nutzen und umsetzen können.
Prof. Dr. David Krieger leitet das Institut für Kommunikation & Führung in Luzern und das Zentrum E-Learning an der Pädagogischen Hochschule Luzern. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kommunikationstheorie, Systemtheorie, Semiotik, Theorien der neuen Medien, interkulturelle Kommunikation, Wissenschaft und Gesellschaft.
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